Bericht über einen Einsatz als senior expert des Senior Experten Service Bonn.
Der senior Expertenservice ist eine Stiftung der Deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit. Auf Anfrage werden Experten, die im Ruhestand sind, in das Ausland geschickt zu speziellen Einsätzen. Mein Einsatz führte mich an das Shouguang Traditional Chinese Medicine Hospital in die Stadt Shouguang in der Provinz Shandong im Nordosten der Volksrepublik China. Das dortige Krankenhaus mit dem Schwerpunkt Traditionelle Chinesische Medizin ( TCM ) suchte einen Lungenspezialisten zum Einsatz in der Ambulanz des Krankenhauses. Dieses Krankenhaus entspricht einem Kreiskrankenhaus in Deutschland mit allen Fachabteilungen und einer großen Ambulanz. Meine Aufgabe dort war die Untersuchung von ambulanten Patienten mit Lungenerkrankungen und Anleitung der chinesischen Ärzte in die modernen Therapie obstruktiver Atemwegserkrankungen. Es ist den chinesischen Ärzten bekannt, dass die TCM nicht alle Erkrankungen gut heilen kann. Erfahrungen in der modernen westlichen Medizin sind nur zum Teil vorhanden. Dieses ist überwiegend durch das Sprachproblem bedingt, da Englischkenntnisse in China nicht bei allen vorhanden sind. Die Ärzte im Krankenhaus konnten zwar wenige Texte in Englisch verstehen, es gab aber große Probleme bei der Kommunikation in Englisch. Ich habe einen Vortrag vor den Ärzten gehalten in Form einer Power Point Präsentation mit Texten in Englisch und einer chinesischen Übersetzung über chronisch Obstruktive Lungenerkrankungen. Dabei bin ich speziell eingegangen auf die Diagnose, Differentialdiagnose und Therapie folgender Erkrankungen : Asthma bronchiale, COPD, chron. Bronchitis, COPD mit Lungenemphysem. Der Schwerpunkt der Therapie lag auf der modernen Therapie dieses Erkrankungen mit langwirksamen Betamimetika, den Kombinationen von Corticoiden mit langwirksamen Betamimetika und den langwirksamen Parasymphatikolytika. Entsprechende Ärztemuster dieser Medikamente hatte ich mitgenommen zur Ansicht und zum Einsatz bei Patienten. Diese Medikamente sind in China nicht erhältlich. Ich habe in der
Ambulanz Patienten mit folgenden Erkrankungen gesehen und zusammen mit jeweils einem chinesischen Arzt untersucht : Asthma bronchiale, COPD, Lungenfibrose unbekannter Ursache und Kinder mit Bronchitis. Ich habe eine Therapieempfehlung gegeben, meistens eine Kombination von westlicher Medizin mit TCM. Gelegentlich kam ein Patient mit Bronchialtumorverdacht und Lungentuberkulose. Die Patienten mit Tumorverdacht wurden mit einem Fiberbronchoskop untersucht und dabei wurde eine Biopsie vorgenommen. Eine Therapie mit Chemotherapeutika und Radiatio konnte stationär im Krankenhaus durchgeführt werden. Das Krankenhaus war mit modernen Geräten ausgerüstet. Dabei fiel mir auf, dass bei Lungenerkrankungen zunächst ein Computertomogramm der Lunge durchgeführt wurde. Wegen der höheren Strahlenbelastung des CT und der höheren Kosten habe ich primär eine konventionelle Röntgenaufnahme des Thorax in 2 Ebenen empfohlen. In diesem Krankenhaus mussten die Patienten die Behandlung, Diagnostik und Therapie selbst bezahlen. Für die überwiegend arme Landbevölkerung war dieses ein Problem. Umso mehr freuten sich die Patienten über meine kostenlose Ärztemuster zur Mitgabe. Hier hätte ich noch mehr mitnehmen können, da mein Bestand bald alle war. Bei den Visiten auf den Internistischen Stationen im Krankenhaus fiel mir auf, dass fast alle Patienten mit einer obstruktiven Lungenerkrankung zunächst ein Antibiotikum bekamen. Die meisten Medikamente auf den Stationen wurden als Infusion gegeben, auch bei den Kindern, die trinken konnten. So fehlten auf der Kinderstation Medikamente in Saftform. Das Interesse der chinesischen Ärzte war groß und mit Hilfe meiner Übersetzerin kam es häufig zu Diskussionen über die Vor – und Nachteile der westlichen Medizin und der TCM. Diese Therapieform ist zur Zeit auch in Deutschland in Mode gekommen. Sie besteht aus einer medikamentösen Therapie mit Gemischen aus Heilkräutern, Mineralien und tierische Produkte, ähnlich der sog. „ Dreckapotheke „ im Mittelalter, der Akupunktur, der Moxibution, dem Setzen von Schröpfköpfen und der Massage. Es ist ein ganzheitlicher
Therapieansatz mit Einschluss der Prinzipien von Yin und Yang, der 5 Phasen –Theorie sowie dem Einfluß auf das Qui, einem Fluß im Körper, der keinem der bekannten anatomischen Bahnen folgt. Dieser Fluß Qui wird besonders durch die Akupunktur beeinflusst. Es gehört ein langjähriges Studium dazu, TCM richtig einzusetzen. Aufgefallen war mir bei den Anamnesen der Patienten, dass besonders bei Asthma bronchiale lokale Ärzte Mischungen aus Arzneipflanzen mit Cortison einsetzten. Ähnliche Medikamente sind auch in Deutschland als TCM Heilmittel verkauft worden. Bei dieser Kombination ist die Dosis des Cortisonanteiles häufig nicht bekannt und führt zu erheblichen Nebenwirkungen. Davor kann nur gewarnt werden. Mir ist nicht bekannt, wie häufig Arzneipflanzen in China mit Pestiziden verunreinigt sind. Es gibt keine strenge Trennung von Ärzten und Apothekern, jeder Arzt kann seine Medikamente an die Patienten abgeben. Zur Behandlung von obstruktiven Lungenerkrankungen war Budesonid und Salbutamol im Handel vorhanden. Die Zusammenarbeit mit den Chinesischen Ärzten war sehr interessant, alle waren hilfsbereit und freundlich. Problematisch ist nur das Sprachproblem, alles ist Chinesisch und somit unverständlich.
Dr. Manfred Peters , Internist/ Pneumologie, Tropenmedizin
22455 Hamburg
Juni 14. 2007
Links: SES Bonn