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Morgens um sieben Uhr in Baruipur, einer
Kleinstadt etwa 30 km vor Kalkutta. Nach
kurzem Frühstück steige ich mit der Kolle-
gin, Ärztin aus dem Schwarzwald, in das
Ambulanzfahrzeug der German Doctors,
die in zwei Ambulanzen auf dem Land süd-
lich von Kalkutta arbeiten. Mit uns fahren
vier Healthworker, darunter zwei junge
Frauen in bunten Hosenanzügen, der tradi-
tionellen Kleidung von Musliminnen. Wir
sind unterwegs zur Ambulanz in Sangram-
pur an der Bahnstrecke zwischen Kalkutta
und der ehemaligen britischen Hafenstadt
Diamond Harbour. Dieser Hafen wird von
Hochseeschiffen nicht mehr angelaufen.
Der Weg führt über schmale Landstraßen
ca. 30 km ins Landesinnere. Die Gegend ist
besonders für Reisanbau geeignetes
Marschland. Man sieht Reisfelder bis zum
Horizont. Auf den Straßen der übliche
Landverkehr in Indien, überwiegend Fahr-
räder, Dreiräder mit einem Fahrrad und
viele Fußgänger. Gelegentlich kommt ein
LKW mit Gütern beladen vorbei, dann wird
es eng. Wenn es nicht weiter geht, hilft nur
die Sirene des Ambulanzfahrzeuges, die mit
Geheul die Straße frei macht. Am Straßen-
rand liegen Kühe festgebunden. Sie rühren
sich nicht, wenn ein Auto vorbeifährt. Da-
neben streunende Hunde auf der Fahrbahn
und Ziegen. In den Dörfern wird es be-
sonders eng, weil am Morgen die Straßen-
händler ihre Waren in die Fahrbahn hinein
ausgebreitet haben. Ich sitze mit der Kolle-
gin im Führerhaus. Es musste für uns Ärzte
vergrößert werden, da es für kleine Inder
konstruiert war. Nun haben wir Platz, die
Beine auszustrecken. Bis jetzt haben wir
noch keinen Unfall gehabt.
Nach eineinhalb Stunden, zuletzt auf einer
Holperpiste mit badewannengroßen Schlag-
löchern, kommen wir im Dorf Sangrampur
an. Es liegt direkt an der Bahnstrecke. Unser
Mann mit der Lastenrikscha erwartet uns
schon. Er kann nur zwei Sätze Englisch,
„good morning doctor“ und „good-bye doc-
tor“. Beim Aussteigen schallt uns mehrfach
„good morning doctor“ entgegen, es sind
unsere fünf Mädchen, die von ihren Dörfern
mit der Bahn gekommen sind. Sie sind
immer fröhlich, lachen und ki-
chern viel. Auf den Bahnschwel-
len geht es weiter zu unserer Am-
bulanz. Der Weg am Rand ist zu
schlammig. Die Ambulanz befin-
det sich in einem nicht mehr be-
nutzten Bauernhaus mit mehreren
Räumen und einem Innenhof.
Draußen warten über 200 Patien-
ten, überwiegend Frauen mit Kin-
der, mit einem lautem Geschrei
der wartenden Frauen. Jede drän-
gelt sich näher heran. Nur durch ein ener-
gisches Eingreifen unseres Healthworkers
Johnny können die Frauen zu einer Warte-
schlange dirigiert werden.
Die Kollegin und ich gehen in den Ambu-
lanzraum. Er hat zwei Tische mit Sitzen und
eine Liege. Wir haben alles Notwendige in
einer Tasche mitgebracht, Stethoskop, Oh-
renlampe, eine große Flasche Trinkwasser,
ein Handtuch sowie ein Wörterbuch Eng-
lisch–Deutsch und ein Mückenmittel. An
jedem der Tische sitzt ein Übersetzer mit
dem deutschen Arzt. Ich habe eine bild-
schöne Inderin als Übersetzerin, Anowara.
Jeden Tag trägt sie ein neues Gewand aus
buntem Stoff mit einem langen Schal um
den Hals. Alle unsere Mädchen sind Musli-
minnen aus Dörfern der Umgebung. Es ist
erstaunlich, dass sie eine einigermaßen
gute Schulbildung mit Englischkenntnissen
haben. Nur so können sich die deutschen
Ärzte mit ihrem Schulenglisch mit den In-
dern verständigen. Die Umgangssprache ist
Bengali. Mit der Zeit lerne ich das gespro-
chene Bengali zu verstehen. Einige wenige
Sätze kann ich auch schon sagen wie
„Schuhe ausziehen“. Dieses ist eine indi-
sche Regel beim Betreten einer Wohnung
und gilt auch für den Ambulanzraum. Es ist
heiß in dem Raum, über 30 Grad Celsius
bei einer Luftfeuchte von über 90 Prozent.
Der Ventilator an der Decke kann nur wenig
ausrichten, deshalb das Handtuch zum
Schweißabwischen und die große Flasche
mit Trinkwasser. Am Tag werden ein bis
zwei Flaschen getrunken.
Die meisten Patienten sind Kinder. Alle Kin-
der, auch die großen, werden von ihren
Müttern auf der Hüfte in die Ambulanz ge-
tragen. Manchmal sagen die Mütter, ihr
Kind kann nicht laufen. Wir machen dann
einen Test, setzen das Kind in die Mitte des
Raumes und halten die Mutter an ihrem
Platz fest. Unter lautem Geschrei versucht
das Kind, bis zur Mutter zu kriechen oder
zu gehen. Dann wird der Mutter erklärt, das
Kind benötigt Hilfe beim Gehenlernen und
muss angehalten werden, alleine zu stehen
und an der Hand zu gehen. Die Kinder
haben häufig Durchfallerkrankungen, viele
Hauterkrankungen wie Impetigo im Gesicht
und einen Befall mit Scabies, häufig super-
infiziert. Die Übersetzerin hilft dem Arzt
beim Erkennen der Hautkrankheiten, sie
ruft entweder „ringworm“ oder „scabies“.
Unser Personal hat eine große Erfahrung.
Welche Erkrankungen kommen vor? Erkäl-
tungskrankheiten, Bronchitis, Pneumonien,
Tuberkulose, Malaria, Amöbeninfektionen,
Darminfektionen, Verletzungen, Verbren-
nungen, Zustände nach nicht behandelten
Frakturen, Muskel- und Gelenkschmerzen,
chron. Hauterkrankungen, virusbedingte
Fieber wie Dengue oder Chikungunya. Sehr
groß ist die Zahl der obstruktiven Lungen-
erkrankungen wie Asthma bronchiale und
COPD. HIV-Infektionen nehmen in Indien
zu, laut staatlicher Statistik liegt die Präva-
lenz bei ca. einem Prozent. Da keine regel-
mäßigen HIV-Teste durchgeführt werden,
gibt es keine genauen Zahlen. Wir haben
sie gehäuft gesehen bei den Tuberkulosepa-
tienten, auch bei Kindern mit Tuberkulose.
German Doctor
in India
In der Ambulanz versorgen zwei Ärzte
200 Patienten am Tag; überwiegend kom-
men Frauen mit ihren Kindern
Von Manfred Peters

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Die kleinen Kinder in der Ambulanz sind
halbnackt, sitzen auf dem Schoß der Mut-
ter, behangen mit verschiedenen Amuletten
wie kleinen Glöckchen oder einem Band
mit einer Kapsel befestigt, darin ein Papier-
schnipsel mit einer Koransure. Manchmal
bekommt der Arzt etwas ab von den nack-
ten Kindern, wenn sie pinkeln. Die Mütter
trocknen dann den Boden mit ihrem Sari.
Problematisch wird die Untersuchung bei
den Musliminnen. Sie tragen einen Sari mit
dem Umhängetuch über den Kopf gezogen
wie ein Kopftuch. Manche sind auch völlig
verschleiert mit einem schwarzen Umhang
über dem Sari. Sie wollen sich vor dem
fremden weißen Arzt nicht ausziehen. Da
hilft nur meine resolute Helferin, die der
Frau den Sari aufschließt und den Körper
frei macht. Der Sari wird vorne in Bahnen
zusammengelegt und mit einer Kordel eng
am Körper festgebunden. Darunter befindet
sich ein langer Unterrock und manchmal
ein selbstgebastelter indischer Tanga mit
einer Kordel um den Bauch festgebunden.
Bei der Untersuchung des Bauches versu-
chen die Frauen immer wieder, diesen mit
den Händen abzudecken. Das wird dann
von meiner Helferin abgewehrt. Anders ist
eine genaue Untersuchung bei Schwange-
ren oder anderen Frauen nicht möglich.
Viele Frauen haben Probleme mit Ausfluss
und Regelstörungen. Hierauf können wir
mangels entsprechender Ausbildung nicht
eingehen und verweisen an Gynäkologen
eines staatlichen Krankenhauses. Dort sind
alle Fachärzte erreichbar. Die Patienten
gehen nicht gerne in ein staatliches Kran-
kenhaus, dort ist die Behandlung zwar
überwiegend kostenlos, aber die empfohle-
nen Medikamente können sie nicht kaufen.
In den Ambulanzen der German Doctors
sind Behandlung und auch alle Medika-
mente frei. Daher auch der große Andrang.
Über 200 Patienten für zwei Ärzte am Tag.
Viele müssen auf einen anderen Tag ver-
tröstet werden. Dieses erzeugt immer Pro-
test und Unmut. Der Andrang ist nicht ge-
recht zu bewältigen. Es wird deshalb allen
zu Beginn der Sprechstunde erklärt, dass
wir nur maximal 200 Patienten am Tag be-
handeln können.
Alle Kinder erhalten die notwendigen Imp-
fungen. Aus Kostengründen gibt es nur Ein-
zelimpfstoffe. Umso lauter ist das Geschrei
der Kinder bei den beiden Impfschwestern.
Auch die Kinder, die nur ihre Mütter be-
gleiten, erhalten kostenlose Impfungen. Am
Tag haben die beiden Impfschwestern über
200 Kinder geimpft. Aus Kostengründen
werden bei einigen Impfungen wie Hepati-
tis B und Masern Altersgrenzen eingehalten.
Angesichts der Durchseuchung mit Hepati-
tis B und der hohen Mortalität an Masern er-
scheinen diese Einschränkungen aus reinen
Kostengründen nicht sinnvoll. Alle Medika-
mente und Impfstoffe werden auf dem indi-
schen Markt gekauft. Das Geld hierfür wird
in Deutschland gespendet. Selbst bei den
niedrigen indischen Medikamentenpreisen
steigen die Kosten für die Behandlungen
wegen der hohen Patientenzahlen weiter an.
Mittags wird eine Pause von 30 Minuten ge-
macht. Wir zwei Ärzte sitzen im Untersu-
chungsraum und essen was wir mitgebracht
haben – meistens vegetarische Kost mit viel
Reis. Monatelang gab es nur Schnippelboh-
nen, billig und leicht zu kochen. Nur
abends gab es auch Fleisch in unserer Woh-
nung, Huhn, Ziege oder Fisch gekocht. An
die scharfe vegetarische indische Kost muss
man sich gewöhnen. Dazu wird viel Was-
ser getrunken. Danach geht es weiter mit
der Arbeit.
Vor der Pharmacy hat sich eine lange
Schlange von Patienten gebildet, die auf
ihre Medikamente warten. Alle Medika-
mente werden einzeln in Tütchen einge-
packt mit einer bildlichen Beschreibung der
Einnahmezeit versehen (Sonnenaufgang,
hoch stehende Sonne, Sonnenuntergang).
Fast alle Patienten sind Analphabeten. An-
ders kann man es ihnen nicht erklären. Um
den Schwarzmarkt mit Medikamenten zu
vermeiden werden diese einzeln ohne die
Originalpackung abgegeben. Auch Lösun-
gen werden in mitgebrachten Flaschen ab-
gegeben. Ganz wird sich der Schwarzmarkt
mit geschenkten Medikamenten nicht ver-
meiden lassen.
Auch auf dem Land gibt es einheimische
Ärzte, die konsultiert werden. Die Behand-
lung muss bezahlt werden, dazu kommen
die Kosten für Laboruntersuchungen und
die Kosten für die empfohlenen Medika-
mente. Dieses übersteigt die finanziellen
Möglichkeiten der armen Landbevölke-
rung. Fast alle sind landlose Bauern und
leben vom Tagelohn.
Die Patienten kommen mit allen Befunden
in die Ambulanz. Sie können die Papiere
nicht lesen, heben sie aber sorgfältig auf. So
finden sich viele Patienten mit Hypertonus,
Diabetes mellitus, Lungenerkrankungen
und Struma. Besonders der Diabetes nimmt
zu. Zusätzlich zur medikamentösen Thera-
pie habe ich eine Health Education zu chro-
nischen Erkrankungen, Kinderernährung,
Pflege von Kindern und Hygiene eingeführt.
An dieser Health Education mussten alle
Mütter mit Kindern teilnehmen und alle Pa-
tienten mit Diabetes. Ohne Aufklärung über
chronische Erkrankungen ist eine Besserung
nicht zu erwarten. Dazu gehörten auch Be-
lehrungen über soziale Probleme wie die
Kinderheirat. Viele junge Mädchen auf den
Dörfern werden mit 15 Jahren oder jünger
schon verheiratet und haben mit 18 Jahren
schon drei Kinder. Offiziell ist dieses nach
indischem Recht verboten.
Bevor es um sechs Uhr abends dunkel wird,
müssen wir zurückfahren. Wieder eine ein-
bis zweistündige Fahrt auf schlechten Stra-
ßen bis zu unserer Wohnung in Baruipur.
Dort wird geduscht, dann ruhen wir uns aus
und warten auf das Essen, das unsere Kö-
chin gekocht hat. Im Ort kann man nicht
viel unternehmen, es ist früh dunkel. Man
kann auf den Markt gehen oder an der
Hauptstraße Geschäfte besuchen. Meistens
lesen wir abends oder unterhalten uns.
Jeder geht früh zu Bett. Das indische Perso-
nal wohnt in der Nachbarwohnung, sie
ruhen sich nach der Arbeit aus und essen
später. Sie sind gewöhnt, gleich nach spä-
tem Abendessen ins Bett zu gehen. Sie
Dystrophes Kind

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essen alleine, große Portionen von Reis,
manchmal ohne Gemüse oder Fleisch. Nur
viel Reis muss es sein.
Nur bei den Abschiedsfeiern von einem der
deutschen Ärzte essen wir alle zusammen.
Es sitzen dann die drei Männer und die sie-
ben Mädchen am Tisch zusammen mit den
deutschen Ärzten. Ich habe Säfte eingekauft
und Flaschenbier. Die Männer helfen mir
dabei, die Bierflaschen zu leeren. Der Reis
kommt in einem großen Topf auf den Tisch.
Alle langen zu und essen mit der rechten
Hand. Der Reis wird zu einem Ball gerollt
und in den Mund geschoben. Die Knochen
der Hühner oder Ziegen werden genussvoll
abgenagt. Es wird viel gelacht und erzählt.
Manchmal singt auch eines der Mädchen
ein Lied auf Hindi aus einem Film. So
kommt nicht viel Traurigkeit auf, wenn alle
sechs Wochen ein neuer deutscher Arzt
kommt. Der dauernde Wechsel der Ärzte ist
auch für das indische Personal eine Belas-
tung. Nur jeweils ein Arzt bleibt bis zu
sechs Monate im Projekt wie ich selbst.
Dieses können aber nur wenige machen.
Das indische Personal bekommt Einheitsge-
hälter, ein Relikt aus der Zeit der kommu-
nistischen Regierung, maximal ca. 50 Euro
im Monat. Die Neueingestellten werden auf
Tagesbasis mit ca. 1 Euro am Tag bezahlt,
ähnlich viel wie der Rikschafahrer für seine
Tagesarbeit mit der Transportrikscha für uns
bekommt. Dieses ist sehr ungerecht dem
Personal gegenüber, das eine qualifizierte
Arbeit leisten muss. Die Arbeit der German
Doctors ist abwechslungsreich, interessant,
und man lernt vieles dazu.
Am Freitag Nachmittag fahren wir nach der
Arbeit mit dem Ambulanzfahrzeug wieder
zurück nach Kalkutta, die Fahrt dauert zwei
bis drei Stunden. Dort warten die anderen
deutschen Ärzte auf uns, die in verschiede-
nen Ambulanzen in Kalkutta arbeiten.
Abends sitzen wir dann mit den Kollegen,
meistens bis zu sieben Ärzte, beim Abend-
essen zusammen. Erzählt wird über die Ar-
beit, über Erlebnisse in Kalkutta, und be-
sonders die Frauen zeigen ihre neuesten Er-
rungenschaften wie Schmuck oder die
beliebten indischen Schals. Manche Kolle-
ginnen haben auch mutig indische Kleider
gekauft wie Saris oder den bunten Hosen-
anzug. Wo sie dieses in Deutschland tragen
wollen, weiß ich nicht, vielleicht beim Kar-
neval.
Besonders gefallen hat mir während der
sechs Monate in Kalkutta das freundliche
Miteinander der verschiedenen Ärzte und
die gute Kameradschaft. Alle duzen sich,
man kennt nur den Vornamen. Ich habe et-
liche Freunde dazu gewonnen. Manche
waren schon mehrfach in Indien im Einsatz.
Es waren junge Ärzte aus Krankenhäusern
da sowie einige ältere wie ich, die schon im
Ruhestand waren. Auch Arztehepaare
haben dort zusammen gearbeitet. Die
Unterkunft war einfach, wie in einer Ju-
gendherberge, aber beengt. Regelmäßig
gab es Essen. Die Unterkunft ist kostenlos.
Die Wäsche wurde vom Personal gewa-
schen, leider nur kalt mit der Hand. Die An-
schaffung einer Waschmaschine sei zu
teuer, sagte die Zentrale in Frankfurt.
Die Arbeit für die Organisation „Ärzte für
die Dritte Welt“ wird nicht honoriert; sie ist
ehrenamtlich. Es wird erwartet, dass für Ein-
sätze von sechs Wochen die Hälfte des
Flugpreises bezahlt wird. Nur die Langzeit-
ärzte für sechs Monate erhalten ein Ta-
schengeld. Es gehört schon Idealismus
dazu, seinen Jahresurlaub zu opfern und für
die Ärmsten der Armen zu arbeiten.
Indien ist immer noch ein Entwicklungsland
trotz der modernen Großstädte, der großen
Geschäfte und aller Computermöglichkei-
ten. Der indische Staat kümmert sich nicht
um seine arme Bevölkerung, das ganze
Geld wird in die Rüstung gesteckt. Man
lässt gerne NGO’s (Hilfsorganisationen) für
die Armen in Indien arbeiten, so spart der
Staat Geld. Das Geld wird meistens in den
westlichen Ländern gespendet.
Es arbeiten verschiedene Hilfsorganisationen
in Indien, die häufig untereinander keinen
Kontakt haben. So habe ich zwei indische
Organisationen kennen gelernt, die in der
gleichen Region arbeiteten, in der auch wir
tätig waren. Ich habe zu ihnen Kontakte ge-
knüpft. Ob es eine Zusammenarbeit geben
wird, weiß ich nicht.
Indien ist ein Land der Gegensätze, dieses
sollte jeder Besucher beherzigen. Das Land
ist modern, industrialisiert, aber immer
noch gibt es regelmäßige Stromausfälle,
wie auf dem Land fast täglich erlebt. Sehr
groß ist der Kontrast zu den vielen armen
Menschen. Zum Abschied haben mir die in-
dischen muslimischen Mädchen gesagt, sie
würden für mich in Zukunft beten. Da zeigt
sich, dass es durch gute persönliche Kon-
takte keinen Krieg der Kulturen oder Reli-
gionen geben muss.
Ärzte für die
Dritte Welt
Mehr als 300 Ärzte opfern jedes Jahr ihren
Jahresurlaub als „Ärzte für die Dritte Welt“.
Vor 23 Jahren wurde das Komitee vom
Frankfurter Jesuitenpater Dr. Bernhard Ehlen
ins Leben gerufen. Neun Projekte des Komi-
tees werden derzeit kontinuierlich mit jeweils
zwei bis acht Ärzten besetzt. Dazu gehören
Projekte in Nairobi (Kenia), Kalkutta (Indien),
Dacca und Chitagong (Bangladesh), Minda-
nao (Philippinen) und Managua (Nicara-
gua). Einige Projekte werden von Zahnärz-
ten mit betreut. Insgesamt 37 Ärzte sind
jedes Jahr in Projekten tätig. Bald jeder dritte
dieser Ärzte hat bis zu drei Einsätze für das
Komitee gemacht. Knapp ein Drittel sind
niedergelassene Ärzte und Ärzte im Ruhe-
stand. Die meisten Ärzte kommen aus Klini-
ken. Alle Ärzte sind unentgeltlich tätig. Sie
zahlen noch einen Beitrag mindestens in
Höhe der halben Flugkosten. Kurzzeitein-
sätze dauern sechs Wochen, Langzeitein-
sätze sechs Monate, diese Ärzte erhalten auf
Antrag ein Taschengeld. Ein eigenständiger
Förderkreis bringt die Verwaltungskosten
auf, die niedrig sind. Alle Spenden werden
voll und ganz für die Auslandsprojekte ein-
gesetzt. Die Ausgaben für das medizinische
Personal einschließlich der deutschen Ärzte
betrugen im Jahr 2005 über 2,5 Mio. Euro.
Die gesamte Arbeit des Komitees für die
Armen in der Welt wird vorrangig aus Spen-
den (2005 ca. 4,9 Mio. Euro) finanziert.
Daneben unterstützen „Ärzte für die Dritte
Welt“ im Rahmen der deutschen Entwick-
lungshilfe Partnerprojekte und leisten
Wiederaufbauarbeit bei den Tsunami-Opfern
in Südasien. Diese Projekte werden von ein-
heimischen Organisationen durchgeführt und
von Deutschland aus finanziert.
Alle Ärzte arbeiten ehrenamtlich. Das Komi-
tee garantiert, dass Spenden für die Projekt-
arbeit zu 100 Prozent ankommen. Verwal-
tungsarbeit wird entweder ehrenamtlich ge-
leistet oder von einem separaten Förderkreis
finanziert.
Das Spendenkonto für die Projektarbeit lautet:
Ärzte für die Dritte Welt, Frankfurter Spar-
kasse, BLZ 50050201, Konto 234567
Internet:
www.aerzte3welt.de
www.german-doctors.de
Kuratorium des Komitees „Ärzte für die
Dritte Welt“: Dr. Maria Furtwängler (Mün-
chen), Prof. Helfried Gröbe (Nürnberg), Prof.
Günther Wiese (Hamm), Wirtschaftsprüfer
Michael Gieron (Berlin), Dr. Udo Becken-
bauer (München)
Anschrift des Verfassers:
Dr. Manfred Peters
Nordalbingerweg 18
22455 Hamburg
Telefon: 040/478378
tropenpeters_hamburg@yahoo.com